Von wegen Altkleider – Designerstücke aus aussortierter Bekleidung

Sicherlich haben Sie schon davon gehört – Es gibt mittlerweile einige findige Designerlabels, die sich alter Bekleidung annehmen und daraus neue und wirklich einzigartige Stücke zaubern. Obwohl der Trend jetzt nicht ganz neu ist, nimmt derart recycelte Kleidung immer noch einen Nischenplatz in der Mode ein und das ist schade.

Wir haben uns auf die Suche gemacht und zwei interessante Labels aufgespürt, deren Damenkleider von Esprit und Charme leben und ein Stück Zeit- und Personengeschichte in sich tragen. Auch für DIY-Freunde bietet die Altkleider Tüte jede Menge Kreativpotential wie die Designbeispiele zeigen. Deshalb sollte Frau sich vielleicht doch zweimal überlegen, ob sie die ausrangierten Kleider einfach so entsorgt, vor allem, wenn sie mit Nadel und Faden sehr gut umgehen kann.

MILCH – frische Mode aus „pensionierter“ Herrenkleidung

Das Wiener Modelabel MILCH hebt sich besonders hervor, weil es sich auf ganz bestimmte Altkleider konzentriert. Als Grundstoff für die extravagante Damen- und Herrenmode kommt ausschließlich ausgediente aber hochwertige Herrenbekleidung wie Anzüge, Hosen, Jeans und Hemden zum Einsatz. Dabei vereint die intersaisonale Kollektion mit Namen HOSEN.HEMD.KLEIDUNG Eleganz und Klassik mit innovativem modernem und aufsehenerregendem Design.

Gründerin und Kopf des Labels ist die Schweizerin Cloed Priscilla Baumgartner, die leidenschaftlich hinter der Idee steht. Sie hat weder Modedesign studiert, noch eine Ausbildung zur Näherin absolviert, aber seit Kindesbeinen geht sie ihrer Leidenschaft für experimentelle Modekreationen nach. Mit Mutters Nähmaschine bearbeitete sie u.a. alte Bett- und Tischwäsche, Vorhänge sowie die weniger typischen Stoffe wie Fahrradschläuche, Kaffeeverpackungen oder Floppy-Disketten. Wobei wir auch beim Thema Recycling wären, das Cloed Baumgartner gleich wirkungsvoll mitintegriert hat. Studiert hat die Modekünstlerin eigentliche Französisch, Germanistik und Innovationsmanagement, letzteres praktiziert sie erfolgreich mit ihrem Team im Altkleiderrecycling der besonderen Art. Der Herrenanzug hat es ihr dabei angetan und das auch aus sehr funktional-praktischen Gründen, denn Hosen und Hemden sind wunderbar kompatibel mit Schnittmustern.

MILCH macht Kleidung mit Geschichte und schont dabei Ressourcen. Die Damenkleider Kollektion zeigt sich klassisch, leger, elegant und verspielt, behält dabei aber eine gerade Grundlinie bei. Die Raffinessen liegen im Detail, so z.B. durch den Mix farblich und stofflich verschiedener Recycling-Teile, die jedem einzelnen Kleid eine völlig neue Wirkungspräsenz verleihen. Dezente Raffungen, feine Abnäher, besondere Ärmel- und Ausschnittvarianten oder Kragenlösungen und überraschende Falten formen eigene Kleidercharaktere. Frauen staunen nicht schlecht, wenn sie die eleganten Modelle erblicken, die einst ein Herrenanzug waren und sich nun als Kleines Schwarzes perfekt zum Abendanlass, dem Afternoon-Tea, für die Vernissage oder als Businesskleid präsentieren. Und dass ehemalige Herrenmode nicht nur Schwarz sieht, beweisen die Kleider in starken Rot- und Pinktönen, anregendem Petrolgrün oder Blauvarianten.

Schmidttakahashi – Die kunstvolle Widergeburt von Kleidung

Der Name des Berliner Labels ist Programm, setzt er sich doch aus den Nachnamen der beiden Gründerinnen – Eugenie Schmidt und Mariko Takahashi – zusammen. Die beiden lernten sich an der Kunsthochschule in Berlin Weißensee kennen und hatten schon dort das gleiche Faible für Altkleider Recycling. Modedesignerin Eugenie Schmidt sowie Produktgestalterin, Textil- und Flächendesignerin Mariko Takahashi ergänzen sich auch fachlich perfekt.

Zusammenfügen ist das Metier der kreativen Frauen, denn sie betreiben Patchwork Deluxe mit Altkleidern. Der Leitgedanke ihrer recycelten Mode geht dabei weit über das sinnvolle und künstlerische Recycling aus, vielmehr steht die Kreation von neuer Kleidung mit eigener Persönlichkeit im Vordergrund, denn in jedem alten Kleidungsstück stecken eine Geschichte und die Aura des Vorbesitzers. Auch das besondere Schmidttakahashi-System der „Altkleidersammlung“  folgt diesem Motto. Ihre „Werkstoffe“ erhalten sie durch Spenden, die jeder gerne vor Ort selbst abgeben kann, auch das Zusenden von Altkleidern ist möglich. Zudem finden sich eigene sogenannte Reanimationscontainer in Berlin. Wer spendet, erhält eine Spender-ID und kann online nachverfolgen, was mit seiner alten Kleidung geschieht.

Auch die ganz persönliche Geschichte zum gespendeten Kleidungsstück kann mitgeteilt werden. So vereinen sich verschiedene Geschichten von verschiedenen Kleidungsstücken, die zu einem neuen Kleidungsstück verschmelzen und bilden eine Art Stammbaum. Und wird das einst neue Teil später von Schmidttakahashi wieder recycelt, so kommen noch viel mehr Geschichten dazu. Auch die Käufer der Designer Mode können anhand einer Identnummer nachvollziehen, aus welchen alten Stücken mit welchen Geschichten ihre Unikate gefertigt wurden.

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Die einzelnen Verarbeitungsschritte vom ausrangierten Kleidungsstück zum neuen Designer Unikat gliedern sich in Fotografieren und Registrierung der Spenderkleidung, Ideenkonzept, Reinigung, Zerlegung, ggf. Einfärbung und neue Zusammensetzung. Beschreiben lässt sich die legere Mode, zu der auch faszinierende Damenkleider gehören, am besten mit „Urban Nature Graffitti“, die wunderbar zum weltoffenen und bunten Berlin passt.